Neujahrsansprache der Bürgermeisterin

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

anstatt meiner Neujahrsansprache am Neujahrsempfang, der leider in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, möchte ich auf diesem Wege ein paar Worte an Sie richten…

„Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.“
Diesen Satz haben wir im letzten Jahr nur zu genüge gehört. So möchte ich nach diesem besonderen Jahr von dem gewöhnlichen Jahresrückblick absehen.
Ich möchte Ihnen heute nichts darüber erzählen, wie viele Gemeinderatssitzungen wir gehabt haben oder wie viele Vorlagen bearbeitet wurden. Und auch, dass wir gemeinsam im vergangenen Jahr wieder mit vielen wichtigen Themen – zum Teil neu, zum Teil alt – befasst haben, brauche ich nicht zu erwähnen. Dass die Erhaltung unserer Straßen, die Entwicklung von Wohngebieten und die Versorgung mit Energie, Wasser etc., uns beschäftigt haben und auch weiter beschäftigen werden, ist jedem ebenso klar.
Zweifelsfrei werden wir grundlegende Diskussionen bei den Haushaltberatungen im Januar aber auch bei der anstehenden Klausurtagung des Gemeinderates führen müssen.

Eine klare Zielsetzung und effiziente Wege bei allen Aufgabenbereichen müssen zur Umsetzung festgelegt werden. Wir müssen uns dem Konjunktureinbruch stellen und uns wappnen für weitere Auswirkungen der Corona-Krise. In der Herausforderung, in der wir uns befinden, werden wir auch darüber sprechen müssen, sich vielleicht nicht mehr alles – auch Liebgewonnenes oder Selbstverständliches - im Tagesgeschäft leisten zu können.

Für den Ausblick in das neue Jahr möchte ich die Klausurtagung und Haushaltsklausur abwarten, bei der wir gemeinsam mit dem Gemeinderat eine Projekt-Prioritätsliste erarbeiten und beschließen werden. Diese und überhaupt der weitere Verlauf der Corona-Pandemie werden die Grundlage für die Entwicklungen der Gemeinde 2021 sowie auch Folgejahre geben.

Im vergangenen Jahr mussten wir erleben, wie unser Alltag im Stundentakt immer weiter aus den Fugen geriet. Pläne, egal wie langfristig und bedeutsam, fielen in sich zusammen. Auf ein Konzert oder den Urlaub hat sich mancher monatelang gefreut. Ein runder Geburtstag, die Hochzeit oder die Kommunion bzw. Konfirmation sind einmalig und mussten zurückgestellt bzw. in einer anderen Form gestaltet werden. Weihnachten und Silvester haben wir auf eine andere Art und Weise und im kleinsten Familienkreis gefeiert.
Begrüßungskontakte und andere gute Gewohnheiten mussten wir uns abgewöhnen. Freizeitleidenschaften, Vereinstätigkeiten und andere liebgewonnenen Aktivitäten, wie zum Beispiel den Fußball, mussten wir vorerst aufgeben.

Dazu gehörte auch, dass sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden. Die Kontaktbeschränkungen haben uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt und uns harte Disziplin abverlangt. Insofern sind auch die persönlichen Kontakte und
Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern derzeit bedauerlicherweise nicht möglich.

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“(Wilhelm von Humboldt)
Das gesellschaftliche Leben auf der ganzen Welt wurde lahmgelegt und die Weltwirtschaft befindet sich auf Talfahrt. Die Corona-Krise stellt eine Ausnahmesituation dar, die alle Bürgerinnen und Bürger vor erhebliche Herausforderungen mit besonderen Auswirkungen stellt.

Das gilt vor allem auch in der Verwaltung.
Zwar gab es keine Veranstaltungen, Versammlungen oder vergleichbare Termine, was ich außerordentlich bedauere, aber das Arbeitsvolumen ist explodiert. Die Corona-Ausnahmesituation bestimmt maßgeblich unseren Alltag und vieles darüber hinaus. Das Alltagsgeschäft tritt zwangsweise in den Hintergrund. Die Verwaltung und ich haben ein Pensum im vergangenen Jahr absolviert, teilweise auch am Wochenende, um die ständig geänderten Vorschriften und deren Auswirkungen auf die Gemeinde Biberach umzusetzen und zu kommunizieren. Eine Informationsflut, die 1. Priorität genoss!

Jede Stadt und jede Gemeinde ist durch die Pandemie in ihren Abteilungen in unterschiedlichster Weise betroffen.
So gehen im Bereich der Finanzen Steuern, Gebühren und sonstige Abgaben zurück, entfallen zumindest teilweise oder werden ausgesetzt bzw. gestundet.
Die Kommunen stehen vor immensen finanziellen wie auch organisatorischen Herausforderungen. Der Deutsche Städtetag geht bundesweit von einem zweistelligen Milliardenverlust für die Kommunen in diesem Jahr aus.
Keiner kann heute die Folgen der Krise und die finanziellen Auswirkungen genau einschätzen. Maßgebend wird sein, wie lange die Einschränkungen noch andauern werden, wann und wie die Wirtschaft in allen Branchen wieder starten kann und wie sich unsere Konjunktur erholt.

Auch politisch stehen durch die im März stattfindende Landtagswahl und die Bundestagswahl im Herbst viele Veränderungen an. In solch turbulenten Zeiten, wie wir sie momentan erleben, bleibt es spannend, wer maßgeblich das Wohl unseres Landes mitbestimmen wird.

In den vergangenen Monaten mussten auch unliebsame Entscheidungen auf Bundes-, Landes- und auf kommunaler Ebene getroffen werden, die nicht für jeden akzeptabel und verständlich waren.
Dennoch stehen die Gesundheit und der Schutz der Mitmenschen an vorderster Stelle.

Wir sind uns alle bewusst, dass die Einschränkungen in Kultur, Freizeit, Gesellschaft, Wirtschaft, Tourismus und im privaten Bereich für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und natürlich auch in Biberach gravierend sind. Alle Beteiligten wissen, dass sie den Bürgerinnen und Bürgern mit diesen Maßnahmen viel abverlangen – privat, sozial und beruflich – und dass Disziplin und Geduld im vergangenen Jahr aber auch noch weiterhin vor allem in diesem Winter auf eine harte Probe gestellt werden.

Auf die Corona-Pandemie möchte ich abschließend noch in einem anderen Sinne eingehen. Bislang war in meiner Ansprache nur nachteiliges über die Situation enthalten.
Man kann die Krise auch als Chance begreifen:
Die enormen öffentlichen Mittel, die in Konjunktur- und Investitionsprogramme fließen, müssen eine doppelte Wirkung erzielen. Sie müssen Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen. Sie müssen den Umbau unserer Ökonomie in eine klimaneutrale und naturverträgliche Wirtschaft voranbringen. Es sollte die Chance genutzt werden, aus etwas sehr Schädlichem, zumindest in Teilen, auch etwas Zukunftsträchtiges, Nützliches zu machen.
Wir können die Arbeitseffizienz verbessern durch verstärkte Nutzung von Videokonferenzen. Wir haben die Möglichkeit, das Gesundheitssystem weiter zu stärken, ebenso Vorsorge- und Sicherheitsaspekte. Und nicht zuletzt können wir noch mehr lernen uns auf das Wesentliche zu besinnen, den Wert des sozialen Zusammenhaltes mehr zu erkennen – gerade wegen des geltenden Kontaktverbots.

Besondere Werte haben in dieser außergewöhnlichen Zeit noch mehr Inhalt bekommen: „Vertrauen, Partnerschaft, Geborgenheit, Regionalität und Heimat“ haben von nun an mehr Wertschätzung.

Ich sende den Corona-Erkrankten auf diesem Weg herzliche Genesungswünsche. Den von Zukunftssorgen getroffenen Mitmenschen möchte ich Zuversicht wünschen.
Bewahren Sie sich den Blick für das Positive oder finden Sie diesen wieder. Herzlichen Dank an alle Engagierten, die mit ihrer täglichen Arbeit einen unverzichtbaren Dienst für uns alle erbringen. Bleiben Sie gesund.
Wir als Gemeindeverwaltung - die Beschäftigen der Verwaltung, meine Fachbereichsleiter, der Gemeinderat und ich als Bürgermeisterin - werden unser Möglichstes tun, um in Gemeinschaft und Solidarität diese Krise zu überstehen und optimistisch und zupackend voranzugehen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

nun aber soll das Augenmerk darauf gelenkt werden sich zu bedanken.
Ich möchte mich bedanken bei:

  • den Damen und Herren Gemeinderäte, für die konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle unserer Gemeinde und für unsere Bürgerinnen und Bürger. Insbesondere Herrn Ortsvorsteher Klaus Beck möchte ich für die gute Zusammenarbeit danken. Meiner Bürgermeisterstellvertreterin und meinen Stellvertretern danke ich auch von ganzem Herzen.
  • Bedanken möchte ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, vor allem für das vergangene Jahr, in dem Sie mich im Krisenmanagement stark unterstützt haben. Ich bin sehr dankbar für ein hoch engagiertes Team und die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
  • Genauso möchte ich mich ganz herzlich bei allen weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die an sichtbaren Orten, aber auch hinter den Kulissen dafür sorgen, dass unsere Gemeinde funktioniert - ob das in der Kinderbetreuung ist, am Schreibtisch oder auch beim Bauhof.
  • Ein großer und von Herzen kommender Dank an die Bürgerinnen und Bürger von Biberach und Prinzbach für das Verständnis, das Einhalten der teils schwierigen
    Regeln, den Zusammenhalt und die vielfältige Hilfe, die von jeder Stelle angeboten wird.
  • Den Unternehmen, Firmeninhabern, Gewerbetreibenden, Betrieben und Geschäften - Die Tatsache, dass Sie alle in den letzten Jahren immer wieder investieren, ist eine klare Bekenntnis zur Gemeinde als Standort und die tiefe Verwurzelung vor Ort. Sie tragen nicht nur zur Wirtschaftskraft der Region bei, sondern bieten ebenso viele Arbeits- und Ausbildungsplätze. Kommunale Investitionen sind nur durch die Leistung aller möglich. Viele Unternehmer engagieren sich noch weiter über das Normalmaß hinaus. Durch gezieltes Sponsoring oder Spenden unterstützen sie die Gesellschaft der Gemeinde bei vielen Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität.
  • Ein ganz besonders herzlicher Dank gilt den Menschen, die sich unentgeltlich im Ehrenamt engagieren. Ob dies in der Flüchtlingshilfe der Fall ist, in der Feuerwehr, im DRK-Ortsverein, dem Technischen Hilfswerk, sowie bei den vielen weiteren Vereinen, in der Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen oder Senioren, ganz egal wo.
  • Einen letzten großartigen Dank richte ich an diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die in diesem Jahr unglaubliches geleistet haben - nicht nur hier im Ort, sondern auch weltweit:
    Pflegekräfte, Pflegedienste, Ärzte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken und Laboren und allen, die im Gesundheitsdienst arbeiten.
    Und auch alle Blaulichtorganisationen verdienen unseren Respekt und unser Dank für Ihre Einsatzbereitschaft rund um die Uhr.

Weil alle diese Menschen Biberach und Prinzbach zu einem Ort machen, wo es sich leben lässt und man sich wohl fühlt.

Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel:

  • Für mehr Lebensqualität
  • Für eine liebens- und lebenswerte Gemeinde
  • Für ein zukunftsfähiges Biberach und Prinzbach

Der derzeitige Status Quo unserer Gemeinde ist das Ergebnis des Zusammenwirkens zahlreicher Faktoren und Personen.

Das neue Jahr hat begonnen. Mit Freuden, Erwartungen und vor allem mit der Hoffnung auf eine Rückkehr in die gewohnte Normalität. Blicken wir auf die kommenden Wochen und Monate, stellen uns die Frage, was die neue Zeit wohl für uns bereithalten mag.

„Die Zukunft ist weit offen, sie hängt von uns ab, von uns allen.“

So formulierte es der Philosoph Karl Popper und verweist damit zugleich auf die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, zielgerichtet umzusetzen und das Heft des Handelns dabei selbst fest in der Hand zu halten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde Biberach und Prinzbach Gesundheit und Wohlergehen.

Ein Frohes neues Jahr 2021!

Ihre
Daniela Paletta,
Bürgermeisterin